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Was bedeutet der Chiron im Horoskop?

Chiron lehrt den jungen Achilles – Wandmalerei
Chiron lehrt den jungen Achilles – Wandmalerei, Herculaneum, Augusteum (cd. Basilica) (Archäologisches Nationalmuseum Neapel)

Liebe Freunde der Astrologie,

nachdem in letzter Zeit immer wieder verschiedene Fragen zu dem Himmelskörper Chiron und seiner Bedeutung im Geburtshoroskop an uns herangetragen wurden, haben wir uns entschlossen, uns in folgendem Beitrag seiner Bedeutung in der Astrologie näher zu widmen.

Wir hoffen, mit diesem Artikel zumindest den Großteil der Fragen ausreichend beantworten zu können. Bei individuellen Fragen über die Bedeutung und den Einfluss von Chiron im eigenen Horoskop legen wir Ihnen unsere schriftliche Deutung Ihres persönlichen Geburtshoroskops ans Herz. Jede unserer Geburtshoroskop-Analysen enthält ein eigenes Kapitel zur Bedeutung des Chiron im eigenen Horoskop.

1. Chiron in der Astronomie

Bei Chiron handelt es sich um den 1977 von dem amerikanischen Astronom Charles Kowal (1940-2011) entdeckten Asteroiden (2060), welcher als zur Gruppe der sog. Zentauren zugehörig klassifiziert wird. Chiron umrundet die Sonne auf einer Bahn, welche zwischen den Umlaufbahnen der beiden Planeten Uranus und Saturn liegt. Aufgrund von beobachteten Verhaltensweisen, die denen von Kometen sehr ähnlich sind, wurde dem Himmelskörper Chiron auch der Status des größten bisher bekannten Kometen zugesprochen.

Der geschätzte Durchmesser Chirons beläuft sich auf etwa 200.000 m und die Umlaufzeit beläuft sich auf etwa 50,5 Jahre. Die Aufenthaltsdauer des Kleinplaneten Chiron in den einzelnen Zeichen ist unterschiedlich lang. Grund hierfür ist die stark exzentrische Umlaufbahn, auf der sich der Himmelskörper Chiron bewegt. Astronomen vermuten, dass der Kleinplanet Chiron aus dem Kuipergürtel stammt. Bei der Namensgebung stand der Kentaur Cheiron aus der griechischen Mythologie Pate.

2. Bedeutung von Chiron in der Mythologie

Cheiron (griechisch) bzw. Chiron (lateinisch) gehört zu den Kentauren in der griechischen Mythologie. Der Name Cheiron leitet sich von dem griechischen Wort für „Hand“ (kheir) ab. Chirons Vater ist der Titan Kronos und seine Mutter die Nymphe Philyra. Zeus ist Chirons Halbbruder. Um bei der Zeugung Chirons mit Philyra von seiner plötzlich auftauchenden Gemahlin Rhea nicht erwischt zu werden, soll Kronos die Gestalt eines Pferdes angenommen haben. Daher ist Chiron ein Mischwesen mit einem menschlichen Oberkörper und einem Pferdeleib. Nach seiner Geburt verstieß Philyra ihren Sohn Chiron aufgrund seiner äußeren Erscheinung. Die Erziehung Chirons übernahmen in der Folge der Sonnengott Apollon und die Mondgöttin Artemis.

Durch seine edle Abstammung und seine große Weisheit und Güte, gepaart mit einem tiefen Gerechtigkeitssinn, unterscheidet sich Chiron ganz entscheidend von den übrigen Kentauren, die zumeist als unkultiviert und lüstern sowie gnaden- und rücksichtslos gelten. Aufgrund seines edlen Wesens steht Chiron daher in der griechischen Mythologie weit über all den anderen Kentauren.

Chiron gilt als der weise gütige Lehrer und Mentor von zahlreichen Heldengestalten der griechischen Mythologie. Besonders bekannt war Chiron für sein tiefgehendes Wissen über die Kunst des Heilens. So hat er viele griechische Helden wie beispielsweise Jason (Anführer der Argonauten), Peleus, Aristaeus, Herkules, Odysseus und Achilles unter seine Fittiche genommen und sie in zahlreichen wichtigen Disziplinen unterrichtet. Seine Schüler wurden von Chiron vor allem in die Geheimnisse der Heilkunst, des Bogenschießens sowie der Musik eingeweiht. Darüber hinaus lehrte er sie die Kunst des Weissagens sowie der Astrologie. Ein bekanntes Beispiel für Chirons Wirken als Lehrer und Mentor ist Asklepios, der Gott der Heilkunst in der griechischen Mythologie, welcher als Kind von Chiron aufgenommen und in der ärztlichen Kunst des Heilens unterrichtet wurde.

Chirons Lebensmittelpunkt war der Berg Pelion, der im südöstlichen Teil der griechischen Region Thessalien liegt. Er war mit der Nymphe Chariclo verheiratet, mit der er drei Töchter und einen Sohn hatte.

Als der griechische Held und Halbgott Herkules auf der Jagd nach dem Erymanthischen Eber, der vierten seiner 12 Aufgaben, seinem Freund Pholus einen kurzen Besuch in seiner Höhle auf dem Berg Pelion abstattete, kam es zu einem tragischen Unglück, in dessen Folge Chiron tödlich verwundet wurde.

Da Herkules bei seinem eingelegten Zwischenstopp sehr hungrig und durstig war, bewirtete der Kentaur Pholus ihn mit großer Gastfreundschaft. Während des gemeinsamen Mahls, bat Herkules um Wein. Der Kentaur Pholus scheute jedoch davor zurück den Weinkrug zu öffnen, da er ihn einige Zeit zuvor von Dionysos, dem griechischen Gott des Weines, bekommen hatte, um diesen besonderen Wein bei passender Gelegenheit mit all den anderen Kentauren zu drinken. Obwohl der Wein für die Kentauren bestimmt war, überredete Herkules seinen Freund, den Wein zu öffnen. Als dies geschah lockte der Duft des Weines die anderen Kentauren zur Höhle von Pholus. Als einige der bewaffneten Kentauren wütend versuchten in die Höhle einzudringen, verteidigte Herkules die Höhle und verfolgte anschließend die fliehenden Kentauren indem er sie mit Pfeilen mit dem Gift der Hydra beschoss. Auf ihrer Flucht suchten sie Schutz bei Chiron. Dabei wurde Chiron versehentlich von einem der vergifteten Pfeile von Herkules getroffen.

Nachdem Herkules sah, dass er seinen Lehrmeister und Freund Chiron getroffen hatte, zog er ihm den Pfeil aus der Wunde und versorgte seine Wunde mit Heilkräutern. Die Verwundung von Chiron war jedoch unheilbar und führte zu unerträglichen Qualen. Die große Tragik war, dass Chiron als großer Heiler immer allen anderen helfen konnte, sich selbst aber nicht heilen konnte. Daher wird er auch oft als der „verwundete Heiler“ bezeichnet. Um von seinen furchtbaren Qualen erlöst zu werden, opferte Chiron seine eigene Unsterblichkeit zugunsten von Prometheus, der von Zeus als Strafe wegen Ungehorsams an einen Felsen im Kaukasus gekettet war und erst wieder befreit sein würde, wenn ein Unsterblicher bereit wäre sein Leben für ihn zu geben und für ihn in die Unterwelt (Hades) zu gehen. Nachdem Zeus Chirons Opfer angenommen hatte, starb Chiron. Beeindruckt von dem von Chiron erbrachten Opfer, holte Zeus Chiron in den Götterhimmel und verewigte ihn als Sternbild Zentaur am Sternenhimmel.

3. Deutung von Chiron in der Astrologie

Chiron-Symbol

Die Einbeziehung des Chiron bei der Deutung von Horoskopen hat in der Astrologie noch keine allzu lange Tradition, ganz im Gegenteil: es handelt sich noch um ein vergleichbares neues astrologisches Forschungsgebiet. Da die astrologische Forschung zu Chiron noch in den Kinderschuhen steckt, konnte bisher unter Astrologen auch noch kein einheitlicher Konsens erzielt werden, ob Chiron eher als Herrscherplanet des Tierkreiszeichens Schütze oder der Jungfrau fungiert. Einige Astrologen vertreten dabei auch die Ansicht, dass Chiron keinem der 12 Tierkreiszeichen als Herrscherplanet zugeordnet werden sollte. Da die Astrologie eine Erfahrungswissenschaft ist, wird es hier noch weiterer langjähriger Beobachtungen bedürfen, bis manche noch offene Frage rund um die Wirkung von Chiron im Horoskop abschließend geklärt sein dürfte.

Die inhaltliche Interpretation des Himmelskörpers Chiron in der Astrologie findet einen wesentlichen Ausgangspunkt in der Bildung von Analogien, welche sich aus der überlieferten mythologischen Bedeutung des weisen Lehrers und verwundeten Heilers Chiron speisen.

Das astrologische Symbol für Chiron ähnelt in seiner Form einem Schlüssel. Wie bei der astronomischen Betrachtung unter Punkt 1 bereits beschrieben, bewegt sich Chiron zwischen den Bahnen der beiden Planeten Uranus und Saturn. Uranus stellt in der Astrologie den ersten geistigen Planeten dar, während Saturn als „Hüter der Schwelle“ zwischen den materiellen/persönlichen und geistigen bzw. überpersönlichen Planeten zu verorten ist.

Basierend auf der mythologischen Geschichte und Chirons einzigartiger Stellung in unserem Sonnensystem kann die schlüsselförmige Symbolik des Chiron-Zeichens nun dahingehend gedeutet werden, dass Chiron eine Schlüsselstellung zwischen den materiellen sowie den überpersönlichen geistigen Planeten zukommt. Anders gesagt nimmt er die Rolle eines Vermittlers und Brückenbauers zwischen der materiellen und geistigen Welt ein.

Zu den äußeren bzw. geistigen Planeten gehören in der Astrologie Uranus, Neptun und Pluto. Sonne, Mond, Merkur, Venus und Mars zählen dagegen zu den inneren bzw. persönlichen Planeten in der Astrologie. Die beschriebene Mittlerrolle Chirons findet ihren Ausdruck womöglich darin, dass es Chiron obliegt, Impulse und Schwingungen aus der geistigen Welt von Uranus, Neptun und Pluto den Weg hinüber in unsere materielle Welt zu ebnen und sie dadurch im Denken und Fühlen des gesellschaftlichen Kollektivs zu verankern.

Die Stellung des Chiron im Geburtshoroskop (Radix) eines Menschen gibt Aufschluss, in welchem Lebensbereich wir uns verwundet fühlen. In der astrologischen Deutungspraxis zeigt die Position des Chiron im individuellen Geburtshoroskop an, welche Seite der Persönlichkeit eine grundlegende und tiefe Verletzlichkeit aufweist. Das besondere daran ist, dass diese von Chiron symbolisierte persönliche karmische Wunde nicht durch eigene Anstrengung überwunden und geheilt werden kann. Bei der Deutung von einem persönlichen Geburtshoroskop können anhand der Zeichen und Häuser, in denen sich Chiron befindet, entscheidende Anhaltspunkte gefunden werden, in welchen Bereichen die eigene von Chiron symbolisierte karmische Schwachstelle zu finden ist.

Die Auseinandersetzung mit der von Chiron angezeigten seelischen „Wunde“ bzw. persönlichen Schwachstelle ist für den Horoskopeigner oft schmerzhaft und daher sollte man sich immer ausreichend Zeit geben, um Schritt für Schritt das eigene „Verletzt-Sein“ zu erkennen und bewusst zu machen.

Wenn der Mensch dem mythologischen Beispiel Chirons folgend lernt, seine oft tief verborgene verletzte Seite letztendlich zu akzeptieren und in Demut anzunehmen, öffnet dies die Tore, um über die eigene persönliche Schwachstelle hinauszuwachsen und dadurch anderen Menschen mit ähnlichen „Verletzungen“ beistehen und helfen zu können. Durch Annehmen des eigenen seelischen „Verletzt-Seins“ und der daraus resultierenden Bereitschaft, anderen Menschen mit ähnlichen „Wunden“ verständnisvoll und mitfühlend zur Seite zu stehen, kann dies schließlich in einen inneren Wandlungs- und Transformationsprozess münden, der die Chance bietet, Erlösung und Heilung auf tiefster Ebene zu erfahren.

Der menschliche Oberkörper und der Pferdeleib von Chiron spiegelt die tiefe Verbindung zwischen Mensch und Tier. Er ermutigt uns, unsere karmische Wunde in Demut anzunehmen, um dann unsere hieraus entstehenden Heilkräfte zu entfalten und dadurch unseren eigenen Teil zur Heilung von unserem bedrohten Planeten und damit zur Bewahrung der Schöpfung beizutragen. So findet die Chiron-Energie beispielsweise eine starke Entsprechung, wenn es darum geht, fürsorgliche Solidarität mit den Armen, Schwachen und Kranken in der Welt zu zeigen und ihnen mit Verständnis, Liebe und Mitgefühl zur Seite zu stehen. So sind z.B. der Einsatz für Menschenrechte und die Bekämpfung der weltweiten Armut klassische Chiron-Themen. Weitere zentrale Themen, die uns Chiron ins Bewusstsein ruft und uns zum Handeln ermutigt, sind der Einsatz für den Tier- und Naturschutz.

Wo befindet sich mein Chiron? Welche Seite meiner Persönlichkeit ist besonders verletzlich? In welchen Bereichen kann ich anderen besonders gut helfen? Antworten auf diese Fragen gibt Ihnen Ihr persönliches Geburtshoroskop.